Niedersachsensurvey 2024

Die niedersachsenweite Schüler*innenbefragung

Vorgehensweise

Im Jahr 2026 werden Schulen durch Mitarbeitende des KFN kontaktiert, die durch eine zufällige Stichprobenziehung aller neunten Klassen der allgemeinbildenden Schulen (außer Förderschulen mit einem anderen Schwerpunkt als Lernen) mithilfe von Listen des Landesamts für Statistik Niederachsen ausgewählt wurden. In einem ersten Schritt werden die Schulen zu der Teilnahme an der Befragung gebeten. Bei einer Zusage durch die Schule erhalten die Lehrkräfte Informationsschreiben für Eltern bzw. Erziehungsberechtigten mit der Bitte, diese mindestens sieben Tage vor der Erhebung an die Schüler*innen zu verteilen. Eine Zustimmung der Erziehungsberechtigten ist Voraussetzung für die Teilnahme an der Befragung. Siehe auch Informationen für die Eltern und Erziehungsberechtigte.

Für die Befragung der Schüler*innen kommen vom KFN geschulte Testleiter*innen in die Schulen, um die Erhebung durchzuführen. Seit 2019 findet die Befragung vorwiegend online an Computern bzw. Tablets im Schulklassenkontext statt. Vor der Befragung gibt es eine ausführliche, manual-gestützte Instruktion, um die Befragung und Vorgehensweise vorzustellen und mögliche Fragen zu klären. Anschließend erwartet die Schüler*innen ein Fragebogen bestehend aus verschiedenen Items (Fragen), bei denen sie meist eine von mehreren Antwortmöglichkeiten ankreuzen sollen. Für spezifischere Informationen stehen zum Teil offene Textfelder zur Verfügung. Die Gesamtdauer der Erhebung beträgt ca. zwei Schulstunden (90 Minuten).

Neben den Schüler*innenfragebögen gibt es auch einen Fragebogen, der an die Lehrkräfte gerichtet ist und allgemeine Informationen über die Lehrperson, die entsprechende Klasse und Schule abfragt und dessen Ausfüllen ca. 30 Minuten dauert.

Der Online-Fragebogen läuft über das Befragungstool SoSci Survey. Dieses ist der deutschsprachigen akademischen Forschung eine Standardsoftware für Onlinebefragungen dar. Zwischen dem KFN und SoSci Survey liegt ein Vertrag über die Auftragsdatenverarbeitung (AVV) vor, der zur Einhaltung der DSGVO und datenschutzgerechten Verarbeitung von personenbezogenen Daten verpflichtet. Im Vorfeld der Erhebung wurde eine Datenschutzfolgeabschätzung durchgeführt. Gemäß RdErl. D. MK v. 1.1.2014-25b-81402- VORIS 22410- bezüglich Umfragen und Erhebungen in Schulen, wurde die Genehmigung zur Durchführung der Befragungen bei dem Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Hannover beantragt und bewilligt. Darüber hinaus erhielt die Befragung ein positives Ethikvotum von der Ethikkommission der Georg-August-Universität in Göttingen. Die Teilnahme der Schulen, der Schüler*innen und der Lehrkräfte ist vollkommen freiwillig und kann ohne Angaben von Gründen jederzeit abgebrochen werden. Es können auch nur einzelne Fragen beantwortet werden. Bei einer Nicht-Teilnahme entstehen keine Nachteile.

Ziele

Der Niedersachsensurvey ist ein Forschungsprojekt des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V. (KFN) zur Untersuchung der Lebenssituation von Jugendlichen. Er informiert über Ausmaß und Struktur jugendlicher Kriminalität und Devianz sowie über wesentliche Zusammenhänge von kriminellem und abweichendem Verhalten von Jugendlichen im Allgemeinen. Als Dunkelfelderhebung ergänzt er durch sein umfangreiches Themenspektrum das sog. Hellfeld und kann differenzierte Aussagen über Zusammenhänge und mögliche Ursachen (z.B. Erziehung, politische und religiöse Einstellungen oder kulturelle Einflüsse) treffen. Hierzu wird alle zwei bis drei Jahre eine große und repräsentative Stichprobe zu diesen Themen befragt. Finanziert wird der Niedersachsensurvey durch das Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Historie

Bereits seit 1998 führt das KFN Schüler*innenbefragungen in verschiedenen Regionen Deutschlands durch. Im Rahmen des Niedersachsensurveys werden seit 2013 Schüler*innen der 9. Klasse in niedersächsischen Schulen im Abstand von zwei bis drei Jahren befragt. Der Niedersachsensurvey wurde mittlerweile sechsmal durchgeführt (2013, 2015, 2017, 2019, 2022 und 2024) und zeichnet sich durch seine Fokussierung auf ein Bundesland aus. Dies bietet den Vorteil, dass verschiedene Rahmenbedingungen, darunter die Organisation des Bildungssystems, konstant gehalten werden können. Aufgrund der hohen Anzahl der Befragten sind gruppenspezifische Auswertungen möglich. Die Befragung fokussiert sich einerseits auf die Untersuchung des Dunkelfelds von Jugendkriminalität (aus der Opfer- und Täter*innenperspektive). Andererseits ermöglicht sie die Identifikation zeitlicher Trends im delinquenten Verhalten von Jugendlichen und erlaubt die Erklärung dieser Entwicklungen durch die Analyse von Bedingungsfaktoren für abweichendes Verhalten. Parallel dazu werden zusätzliche Aspekte der Lebensumwelt der Jugendlichen betrachtet.

Der Niedersachsensurvey 2026 stellt die siebte landesweite Befragung dar. Es sollen erneut Daten von Neuntklässler*innen zu selbstberichteten abweichenden Verhaltensweisen und Kriminalität aus Täter*innen- und Opferperspektive ausgewertet werden.

Es werden Schüler*innen der neunten Jahrgangsstufe befragt, da sich bei Jugendlichen dieses Alters entsprechend der Alters-Kriminalitäts-Kurve bereits ein recht hohes Ausmaß an delinquentem Verhalten und zugleich eine beachtliche Viktimisierungsrate zeigt. Das ermöglicht die Untersuchung von Bedingungsfaktoren für abweichendes Verhalten. Zudem wird die Kohorte der Neuntklässler*innen bis auf wenige Ausnahmen noch in der Schule unterrichtet. Daher lässt sich mit der neunten Jahrgangsstufe das Ziel einer Repräsentativbefragung von Jugendlichen sehr gut erreichen.

Das Hellfeld beschreibt die Kriminalität, die der Polizei bekannt ist und sich in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) niederschlägt. Hier werden alle Taten oder Tatverdachte registriert, die zur Anzeige gebracht oder durch polizeiliche Ermittlungen aufgedeckt wurden. Da nicht alle Straftaten angezeigt oder von der Polizei entdeckt und verfolgt werden, spiegelt die PKS nicht das ganze Bild der Kriminalitätslage wider. Vielmehr ist das Hellfeld von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu gehören die Anzeigebereitschaft von Opfern oder Augenzeug*innen sowie polizeiliche Ermittlungstätigkeiten. Erhält die Polizei beispielsweise mehr Ressourcen zur Verfolgung einzelner Straftaten, kann sie auch mehr Straftaten aufdecken, ohne dass sich dabei zwangsläufig der tatsächliche Umfang der Kriminalität verändert haben muss.

Als Dunkelfeld werden alle Delikte bezeichnet, die den Strafverfolgungsbehörden nicht bekannt sind und deshalb nicht in den Kriminalstatistiken erscheinen. In Dunkelfeldstudien soll das tatsächliche Ausmaß von Kriminalität in einer Gesellschaft erfasst werden, unabhängig davon, ob diese Straftaten den Behörden bekannt sind. Bevölkerungsbefragungen, wie der Niedersachsensurvey, sind eine Methode, um Informationen über nicht gemeldete Straftaten zu sammeln. Durch die Zusicherung von Anonymität wird den Befragten die Möglichkeit gegeben, offener über ihre Erfahrungen zu sprechen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Es ist wichtig zu betonen, dass Dunkelfeldstudien zwar wertvolle Einblicke in die tatsächliche Kriminalitätsrate bieten, aber aufgrund von Faktoren wie falscher Erinnerung, Scham oder anderen Gründen gewisse Einschränkungen und Unsicherheiten mit sich bringen. Dennoch können solche Studien dazu beitragen, die Lücken zwischen der offiziellen Kriminalstatistik und der tatsächlichen Realität zu schließen und so eine umfassendere Perspektive auf kriminelles Verhalten zu ermöglichen.

Die Erkenntnisse des Niedersachsensurveys werden der Öffentlichkeit durch KFN-Forschungsberichte zugänglich gemacht. Darüber hinaus werden die Befunde durch Beiträge in nationalen sowie internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften an die Fachwelt weitergegeben. Die Berichte befinden sich sowohl hier als auch auf der Homepage des KFN (https://kfn.de/publikationen/kfn-forschungsberichte/). Der Bericht über die Erhebung 2026 wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2027 veröffentlicht.

Die Umfrage-Daten werden mit Hilfe der standardisierten Umfrage-Software SoSci Survey erhoben. Anbieter dieser Software ist die SoSci Survey GmbH. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in München und ist daher bei Befragungen im europäischen Raum an die Datenschutzgrundverordnung gebunden.

SoSci Survey GmbH
Marianne-Brandt-Str. 29
80807 München
Fax: +49 (89) 99950707
E-Mail: info@soscisurvey.de

Die SoSci Survey GmbH ist durch einen Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung mit dem KFN zur Einhaltung der gesetzlichen Datenschutz-Standards verpflichtet. Der Server der SoSci Survey GmbH steht im zertifizierten und gesicherten Rechenzentrum des Anbieters M-net Telekommunikations GmbH in München. Das Rechenzentrum ist nach ISO 27001 zertifiziert. Die Verwaltung des Servers erfolgt mittels verschlüsseltem SSH-Zugriff, der zusätzlich gegen Hacker-Angriffe gesichert ist. Durch eine durchgängige SSL-Verschlüsselung (HTTPS) sind die Daten sowohl beim Ausfüllen des Fragebogens als auch beim Abruf der erhobenen Daten geschützt. Eine sichere SSL-Konfiguration (Qualys SSL Labs) sorgt für eine sichere Datenübermittlung.

Die IP-Adressen der Befragungsteilnehmenden werden während der Umfrage nicht gespeichert. Bei der Befragung werden keine Cookies verwendet. Die eindeutige Benutzerkennung innerhalb eines Interviews wird jeweils von einer Fragebogen-Seite zur nächsten übermittelt und nicht dauerhaft auf dem Computer der Schulen gespeichert. Das KFN ist jederzeit Eigentümer der Erhebungsdaten, Verantwortlicher der Umfrage sowie Ansprechpartner für die betroffenen Personen.

Der Umgang mit den Daten ist streng vertraulich. Die Daten können lediglich durch KFN-Mitarbeitende eingesehen werden und werden ausschließlich zu Forschungszwecken ausgewertet. Alle am Projekt beteiligten Personen werden vor der Aufnahme ihrer jeweiligen Tätigkeit förmlich auf Vertraulichkeit verpflichtet. Die Testleiter*innen vor Ort haben zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf die von ihnen erhobenen Daten. Ohne Hilfe der Jugendlichen kann kein Personenbezug zwischen den von den Schüler*innen angegebenen Daten und den einzelnen Schüler*innen oder Klassen hergestellt werden.